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Holger Seidel
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Blog - Quer durch Deutschland 2022

von Holger Seidel (Kommentare: 2)

Einblicke in die Vorbereitungen zu einem Rekordversuch

Aller Anfang ist?

Zugegeben, die ersten Zeilen fallen nicht ganz leicht. Früher auf meinen Reisen hätte ich gerne einen Blog geschrieben, aber irgendwie kamen die Technik und ich nicht zusammen. Heute ist diese Sache viel leichter zu realisieren. Viel eher sind es heute zeitliche Kapazitäten und speziell bei mir Bilder bzw. Filmmaterial, die es schwierig machen. Aber wir arbeiten daran. Außerhalb der Blase des Velomobilforums wissen bisher wahrscheinlich auch nur wenige von dem geplanten Unternehmen. Aus diesem Grund hier eine Zusammenfassung in wenigen Worten:

Am 27./28.08.2022 werde ich den Rekord Deutschland Süd-Nord von Roland Schell in Angriff nehmen. Start ist in Birgsau an der Grenze zu Österreich, Ziel an der dänischen Grenze hinter Flensburg. Das sind dann ca. 1.100 Km und, je nach Streckenführung, 5000 Hm. Roland Schell hat für die Strecke seinerzeit 32 Stunden und 59 Minuten benötigt. Diese Zeit möchte ich unterbieten. Die Unternehmung läuft unter der Flagge und den Regeln der World Ultracycling Association, dem Weltverband für Rekordfahrten auf Fahrrädern. Apropos Fahrräder: Ja, es ist wirklich nur ein Fahrrad, was man da auf den Bildern sieht. Aber ein Velomobil zählt sicherlich zu den schnellsten und effizientesten muskelbetriebenen Fortbewegungsmitteln auf diesem Planeten. Durch die geringe Querschnittsfläche und ausgesprochen gute Aerodynamik sind hiermit Geschwindigkeiten und Distanzen möglich, welche mit einem Rennrad nur Profis in größeren Gruppen vorbehalten bleiben. Aber geschenkt bekommt man hohe Leistungen in unseren Fahrzeugen auch nicht. Es gibt keinen Windschatten, wir haben Nachteile am Berg und im Sommer wird es richtig warm in der "Karre".

Dieser Blog soll die Vorbereitungen des Unternehmens aufzeigen, Einblicke ins Training geben, das Team vorstellen, die Technik vom Fahrzeug näher bringen und natürlich dann auch von dem Rekordunterfangen berichten. Ein paar echte Überraschungen halten wir im Laufe der Vorbereitungen auch noch bereit. Alles Weitere folgt auf diesem Kanal.

Auf bald!

 

Alles in Bewegung

von Holger Seidel (Kommentare: 1)

der Lebenslauf eins Radsportlers

Alles in Bewegung

Bevor man nach vorne schaut, soll man ja immer wieder mal zurückschauen. Ich denke, dass in der Vergangenheit viele Anhaltspunkte für das heutige Verhalten zu finden sind, ohne auf therapeutische Spurensuche zu gehen. Nun also ein kleiner (sportlicher) Rückblick:

Bis zum Alter von 8 Jahren war alles normal. Auf dem Dorf spielte man Fußball, ich spielte Fußball, mein Vater war Trainer. Mehr muss man dazu nicht sagen. Aber was machen, wenn man sich prinzipiell in Mannschaften gut aufgehoben fühlt, aber da schon merkt, dass man dabei nicht immer glücklich ist. Als ich 9 Jahre war, kam ein Radsporttrainer in die Schule, um für den Radsport zu werben (vielleicht merkt man daran schon, dass ich im Teil der ehemaligen DDR groß wurde). Viele waren begeistert und so auch ich. Aber da gab es unterschiedliche Sichtweisen. Der Trainer sagte zu vielen Jungen, dass das gut passen könnte oder animierte sie sogar. Bei mir meinte er, dass ich „es auch mal versuchen kann“. Man muss dazu sagen, dass ich zur damaligen Zeit etwas pummelig war. Nun noch die Eltern überreden, welche die Idee schräg fanden und los ging es. Nach einem Jahr Training hatten alle anderen aus der Klasse schon wieder aufgehört und meine Kilos waren runter.

 

Was habe ich erfahren in den Jahren? Ein klassische Radsportausbildung mit allem Drum und Dran: Straße, Bahn, Querfeldein (heute Cyclo-Cross), Geschicklichkeitsfahren (ja, das gab es), Athletik, Laufen. Dann ging es Schlag auf Schlag, die Erfolge nahmen zu und ich spezialisierte mich immer mehr auf den Kurzeitbereich auf der Bahn (Sprint und 500 Meter Zeitfahren). Mit 13 dann auf das Sportinternat (die Kinder- und Jugendsportschule in Gera, später in Chemnitz). Und bis zur Wende ging das dann recht erfolgreich weiter. Die Wende dann ein jäher Bruch, denn „über Nacht“ war alles weg: ein Staat kollabierte, gewohnte Strukturen gab es nicht mehr, alles war im Fluss. Keine gute Zeit, um seine jugendliche Sportkarriere zu planen.

Also wieder zu Hause einziehen (müssen) und nach neuen Herausforderungen Ausschau halten. Was war besser als die aufkeimende MTB Szene? Auch hier bin ich alles gefahren, vom Cross-Country über erste Marathons, bis Downhill war alles dabei. Eine irre Zeit!

 

 

Dann kam auch hier ab Mitte der 90er eine starke Professionalisierung und für mich der Abschied sowie das Studium. Hier begann ich zu Laufen und mit dem Klettern und Bergsteigen. Dann waren viele Jahre Mittelgebirgsmarathons angesagt. Nebenher studierte ich und wir wurden gute Kletterer. Was mich aber nicht davon abgehalten hat, im Sommer große Radreisen zu unternehmen. Alpenüberquerungen mit Rucksack (60 Liter, 35 Kg), intensive Fahrten durch die östlichen Länder wie Polen, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, Ukraine u.a. Große Verbindungen haben mich schon damals sehr motiviert, und so ging es u.a. von meinem Heimatort bis nach Marokko. 3.500 Km über die Alpen und Pyrenäen mit vollem Gepäck in drei Wochen waren kein Pappenstiel.

Im Bereich Klettern und Hochtouren wurde es auch immer besser, da stehen viele große Berge auf der Liste. Als ich meinen ersten Job nach dem Studium kündigte, war da ein einmaliger Zeit Slot da: Ich fuhr mit dem Rad und Anhänger von Buenos Aires nach Feuerland und dann auf anderer Strecke wieder in den Norden von Argentinien und Chile. Einmal Patagonien mit allem bitte! Im Hänger war alles an Ausrüstung zum Bergsteigen, später ging es dann noch einen Monat in Patagonien Klettern.

Und wie passt Skifahren und Winter dazu? Egal! Aufgewachsen mit echten Wintern wurden mir schon früh Langlaufski unter die Füße geschnallt. So sollte es bleiben und später kam noch das Tourenskifahren dazu. Wenn es die Winter hergeben, bin ich auch heute im Winter noch viel auf zwei (mal schmalen, mal breiten) Latten unterwegs.  

Mit der Familie wurde das individuelle Radfahren weniger. Im Sommer waren Radtouren mit den Kindern an den Flüssen angesagt und so sind wir halb Deutschland abgeradelt und haben später die Berge zusammen unsicher gemacht. Aber Kinder werden älter und die persönlichen Freiräume wachsen wieder. Seit 2015 bin ich auf Langdistanzen unterwegs, 2017 dann bei den Brevets gelandet und ab Ende 2018 dann bei meinem ersten Velomobil, einem Milan SL. Auch hier ging es schnell: Jedes Jahr eine Brevetserie, Paris-Brest-Paris 2019, viele schöne und lange Touren und die Gewissheit, dass ich wieder in einer großartigen, kleinen Szene gelandet bin.

Wie ich ein Velomobilist wurde

von Holger Seidel (Kommentare: 0)

Vom Suchen und Finden des "richtigen" Velomobils

Dem vorangegangenem Artikel kann man die klassische Radsportsozialisation entnehmen. Klassisch hieß: Man fuhr mit weißen Socken (nur mit weißen), man fuhr in Schwarzen Hosen (komplett schwarz), alles am Rad musste seine Ordnung haben, man hatte immer zu wenig zu trinken und essen mit dabei… In diesem Kosmos existiert kein schnelleres Rad als ein Rennrad. Für den Rennradfahrer (ich spreche hier wirklich vor allem von den Männern) ist der Radkosmos, zumindest mit der klassischen Sozialisation, begrenzt.

Anfang der 90er machte ich eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker. Im Laden hatten wir auch Liegeräder. Neben vielen anderen Spezialrädern. Aber die ganzen Spezialräder verkauften wir nicht, das war eher ein Gruselkabinett für den sportlich ambitionierten Fahrer.

2008 las ich im Rohloff Jubiläumsbuch einen Artikel über Christian Ascheberg, der uns dann leider viel zu früh verlassen sollte. Im Buch dann Bilder vom 24 Stunden Weltrekord auf einem Bülk-Einspurer.

Bis 2017 sollte es noch dauern, bis ich dann mein erstes Velomobil bewusst gesehen und inspiziert habe. Für den Flèche Allemagne (eine Sternfahrt der LangstreckenfahrerInnen), suchten wir noch ein Teammitglied. Hartmut Hoburg, einer der Organisatoren der Ostfalen Brevets, suchte noch ein Team. Wir kamen also in Kontakt und der fragte, ob wir ihn auch mit seiner „Rappelkiste“ mitnehmen. Er hat das kurz erläutert, vorstellen konnte ich es mir bis zum Start nicht. Dann kam also Hartmut mit seinem knallgelben DF angefahren und wir waren zu viert auf Rennrädern unterwegs. Letztlich muss er sich viel gelangweilt haben. Bergab eine andere Liga, auf der Geraden immer vor uns und dann wartend und selbst bergauf hatten wir keinen wirklichen Vorteil gegenüber ihm. Mich hat das so beeindruckt, dass ich mehr darüber wissen wollte und ich wurde vorzüglich mit Informationen versorgt. Und ein Jobwechsel stand für 2018 an. Dieser sollte einen längeren Weg zur Arbeit beinhalten. Welche Situation kann da günstiger sein, um einen Einstieg zu wagen? Also die erste Probefahrt auf einem alten Velomobil unternommen. Das war schon gut, zeigte zumindest das Potential auf. Der wirkliche Schalter wurde nach einer ausgiebigen Probefahrt beim Räderwerk in Siedenburg umgelegt. Ich fuhr einen Milan SL und ein DF von Intercitybike Probe. Der Milan hat mich dabei überzeugt und vor allem begeistert. Also eine Bestellung aufgegeben. Die Wartezeit von mehr als 15 Monaten war qualvoll. Aber das Warten sollte sich lohnen.

Im November 2018 konnte ich dann meinen erstes Velomobil abholen: ein Milan SL. Oh weh, war das alles neu und ungewohnt! Aber schon nach fünf Wochen war es vorbei. In einer frühen Morgenstunde, bei starkem Regen und im Berufsverkehr wurde ich „übersehen“ und umgefahren. Das Velomobil war ein Totalschaden, mir war zum Glück nichts passiert. Aber die Begeisterung war geweckt und ich konnte mir nicht vorstellen, noch einmal so lange warten zu müssen. Der Gebrauchtmarkt war leer bzw. schien gar nicht zu existieren.

 

Zum Glück sprang bei Intercitybike ein Kunde ab und ich konnte die Bestellung von einem neuen DF XL übernehmen. Die Abholung in den Niederlanden habe ich dann auch gleich standesgemäß vollführt und ich bin auf eigener Achse nach Hause gefahren. Viele Km und großartige Erinnerungen bleiben an dieses auffällig lackierte Velomobil. Ich bin damit u.a. Paris-Brest-Paris gefahren, spätestens auf diesen 1.200 Km wird man eine Einheit.

Aber die Liegeposition war für mich auch nach vielen Kilometern nicht annähernd so gut wie im Milan. Also wieder eine Probefahrt in Siedenburg und einen neuen Milan SL bei Jens Buckbesch bestellt. Die Wartezeit wurde mehr als halbiert und so hatte ich im Frühjahr 2020 mein Traumvelomobil. Leider wurden der zweite Milan SL und ich auch keine guten Freunde. Aufgrund einer Umstellung in der Produktion war das Fahrzeug für mich im Dauereinsatz nicht fahrbar zumindest nicht, wenn ich die Nerven behalten wollte. Und das wollte ich.

 

Sven Kröll von Velomobile Nord machte es dann möglich, dass ich zeitnah ein Alpha 7 aus der Entwicklung von Daniel Fenn bekam. Was für ein Fahrzeug! Hier hatte einer ein hervorragendes Fahrzeug auf die Beine gestellt. Und so wurden wir ein super Team, wovon über 15.000 Km in unter einem Jahr zeugen. Aber auch hier blieb, ein Leiden auf hohem Niveau, das Problem mit der recht steilen Sitz-/Liegeposition.

Und dann war Jens Buckbesch Ende 2020 am Überarbeiten vom Milan. Alle Fehler aus der Serie davor sollten behoben werden. Für mich die Entscheidung wieder zurück auf dieses Fahrzeug zu gehen, da ich bisher in keinem anderen Fahrzeug so lange und problemlos sitzen und treten konnte. Und das wird bei dem Rekordunternehmen entscheidend sein: eine Position zu finden, welche man über lange Zeit schmerzfrei fahren kann. Und was soll ich sagen? Bisher hat sich der Umstieg absolut gelohnt. Der Milan läuft zuverlässig, schnell und gut.

Wie trainiert man für 1000 Km nonstop?

von Holger Seidel (Kommentare: 8)

Dazu muss ich zuerst einen Blick in die Vergangenheit unternehmen: Mit dem Hintergrund meiner Zeit im Leistungssport ist mir systematisches Training, die Konzentration und das Abrufen von Leistung auf den Punkt nicht fremd. Aber mehr als 20 Jahre Wettkämpfe führten auch dazu, dass ich das eigentlich nicht mehr brauchte und wollte. Genug gemessen und verglichen.

Oft kommt es anders als man denkt. Mit dem Beginn vom Langstreckenfahren wuchs die Jahreskilometerleistung stetig an. Die Form ebenfalls. Mit dem Umstieg auf das Velomobil kam dann eine neue Anpassungsphase und auch mit diesem Schritt wurden die Kilometer noch einmal mehr. Und irgendwann merkt man, dass man an eine Grenze stößt und nicht weiterkommt. Und das kann ja auch gut passen! Bei mir passte es nicht. 2019 bei Paris-Brest-Paris, den vorbereitenden Brevets sowie dem Zeitfahren Hamburg-Berlin merkte ich, dass ich mich a) gerne weiterentwickeln möchte und b) auch das Drumherum, also Ernährung, Krafteinteilung, Wattwerte usw., mehr in den Blickwinkel nehmen möchte. Bis ich realisierte, dass ich an bestimmten Punkten nicht mehr allein zurechtkomme, dauert es dann auch noch einmal ein Jahr. Nach dem Zeitfahren Hamburg-Berlin im Jahr 2020 war mir klar: Ich brauche einen Trainer! Da kamen erst einmal ein paar Lacher aus meinem Umfeld. Ich, der viele Jahre nur seine Touren gefahren ist, vielen Menschen vor allem zur Zufriedenheit beim Radfahren geraten hat und die ganze Saison draußen fuhr, sollte seine Vorsätze ändern?

Aber zuerst musste ich ja überhaupt einen Trainer finden. Einen der mich und meine Ziele verstehen würde, der im besten Fall Bezugspunkte zu Liegerädern und Velomobilen hat und nicht zuletzt sollte es menschlich passen. An diesem Punkt kam in zum ersten Mal mit Jörg Basler von Droplimits in Kontakt. Jörg dürfte damit auch die erste Person gewesen sein, die von den noch schlummernden und noch unkonkreten Vorhaben erfuhr. Über das Velomobilforum kam ich dann mit Roland Kauke in Kontakt. Nach einem ersten Kennenlernen war klar, dass diese Zusammenarbeit gut passen könnte. Wissen tuen es beide Seiten vorher nicht. Aber nach knapp 1,5 Jahren weiß ich heute, dass ich bei ihm sehr gut aufgehoben bin.

Was sind die größten Unterschiede zwischen dem systematischem Training und dem einfach nach Lust und Laune fahren (was ich immer noch prima finde und nicht abwerten möchte):

  • Für mich ist die Intensität des Trainings immer noch der größte Unterschied. Ich fuhr vorher nur im Grundlagenbereich. Mit den hochintensiven Einheiten kamen neue Erfahrungen (wieder) dazu. Und an diese Intensitäten muss man sich erst einmal gewöhnen! Die ersten intensiven Einheiten auf der Rolle waren super anstrengend, da ich diese Puls- und Intensitätsbereiche gar nicht mehr kannte. Aber auch die Trainingserfolge sind enorm mit diesen Einheiten.
  • Und da waren sie auch schon, die verdrängten Erfahrungen: Indooreinheiten auf der Rolle. Die Intensitäten sind so hoch, dass man diese nicht im normalen Straßenverkehr fahren möchte und auf der Rolle kann man jedes Intervall einfach schön abspulen. Unabhängig von einer Verkehrslage, den Straßenbedingungen etc. Somit stand also zuvor auch der Kauf einer Rolle, eines Liegerads für diese sowie einem Leistungsmesser für das Liegerad an. Und ja, auch ein Abo für Zwift. Es ist einfach viel unterhaltsamer die Einheiten nicht stumpf abspulen zu müssen, sondern etwas Entertainment dabei zu haben.
  • Die Trainingseinheiten sind sehr abwechslungsreich und decken natürlich auch regelmäßig Dinge auf, die eher defizitär sind. Egal ob in- oder outdoor, ruhig und gleichmäßig fahren ist eigentlich nur bei den langen Grundlageneinheiten angesagt, welche fast ausschließlich am Wochenende stattfinden. Mein Training ist im Umfang weniger geworden. Ich fahre also etwas weniger Jahreskilometer. Die Intensität ist dafür aber merklich gestiegen.
  • Der Focus auf Zahlen steigt. Wenn man intensiver in die Welt der Velomobile einsteigt, dann beschäftigt man sich unweigerlich mehr mit (Watt)Zahlen. Aber mit dem gezielten Training dann noch einmal mehr. Wattmesser und Pulsmesser werden gute Freunde und langsam bekommt man die Zusammenhänge zwischen den Werten besser auf den Schirm.

Aber zurück zur Ausgangsfrage, wie man auf so eine lange Distanz trainiert:

Um es vorwegzunehmen, Einheiten im vierstelligen Km-Bereich stehen nicht auf der Tagesordnung. Vielmehr geht es darum im Training daran zu arbeiten, dass der Körper mittlere Belastungen über viele Stunden realisieren kann. Um gute mittlere Werte zu haben, muss man natürlich an den oberen Werten Arbeiten. Also geht es auch immer darum die Kraft, die Sauerstoffaufnahme sowie die Schwellenleistung zu steigern. Dies geht nur bis zu einem gewissen Punkt und von diesem aus geht es dann schon in vorbereitende Brevets von 200 bis 600 Km. Ca. 30% der Trainingsleistung sind im hochintensiven Bereich angesetzt und ca. 70% im Grundlagenausdauerbereich. Die sogenannten HIT (hochintensiven) Intervalle finden vorwiegend auf der Rolle statt und sind zum Glück sehr abwechslungsreich. So fährt man selten längere Zeit im gleichen Bereich, auch mal nur mit einem Bein, was sich viel einfacher anhört, als es dann wirklich ist. Aber alle Intervalle kennzeichnen sich durch einen erhöhten Kraftaufwand oder eine erhöhte Trittfrequenz. Schwachstellen, welche auf langen Touren oft nicht sichtbar werden, sind schnell ausgemacht. An den Wochenenden dann die längeren und ruhigen Grundlageneinheiten im Bereich von 100-250 Km.

Die Brevets ab März werden auch dazu dienen, bestimmte Strategien auszuprobieren. Beispielsweise die Ernährung sowie Pausenstrategien. Mit den 24 Stunden um den Brelinger Berg wird es eine kleine Generalprobe geben. Die Bedingungen auf der dortigen Rundstrecke sind dafür ideal.

Man kann so ein Unternehmen völlig in der Hinterkammer planen, nur wenige wissen davon und dann macht Frau/Mann einfach. Oder es gibt die Möglichkeit die Aktion von Beginn an zu dokumentieren und auch etwas aus dem "Nähkästchen" zu plaudern. Ich möchte eher die zweite Option wählen und hier auch offen berichten. Aus diesem Grund setze ich hier auch Dinge rein, über die sonst konkret eher weniger geschrieben wird. Und so stelle ich auch ein paar Kennzahlen der Leistung hier ein. Es gibt regelmäßig Leistungstests und die Werte ändern sich noch.

  • 75 Kg bei 180 cm Körpergröße
  • Der FTP Wert liegt aktuell bei 300 Watt, somit ergibt sich ein Leistungsgewicht von 4 Watt pro Kg
  • VO2max beim Radfahren liegt je nach Trainingszustand bei 55 bis 60. Die VO2max im Bereich Laufen (wobei das bei mir eher Skitouren sind) liegt bei über 60.
  • Die Laktatschwelle liegt aktuell bei 164
  • max. Puls bei 185, Ruhepuls bei 48
  • Jahreskilometer 17.000 bis 20.000 Km

zwischen Berg und Tal

von Holger Seidel (Kommentare: 0)

Der Januar und Februar liefen vom Training her ideal. Mein Körper hat gut auf die Herausforderungen reagiert, ich blieb gesund und konnte eine ordentliche Entwicklung verzeichnen. Da ich im November wieder ins strukturierte Training eingestiegen bin, bedeutet dies auch schon wieder vier Monate intensives Training. Irgendwann machen sich leichte Abnutzungserscheinungen bemerkbar. In diesem Fall gibt es nichts besseres, als mal ein paar Tage den Kopf freizubekommen und alternativen Sport zu betreiben. Wie geplant konnte ich Ende Februar auf Skitour gehen und habe dort einige an Höhenmetern „vernichtet“. Wenn es nach einer Tour noch nicht ausreichte, konnte man im Tal noch Skaten – wunderbar!

Wieder zu Hause setzte sich der Höhenflug leider nicht fort. Eine Erkältung, zu früh wieder auf die Langstrecke und dann noch mal fast eine Woche mit einem leichten Infekt drangehängt. Aber nach der kleinen Zwangspause läuft es nun wieder, ich bin normal im Plan. Und der Plan sieht erst einmal weiterhin die kurzen, intensiven Einheiten unter der Woche und die langen, ruhigen Strecken am Wochenende vor.

Dafür konnten wir noch einen weitern Sponsor für die Rekordfahrt gewinnen! Wir waren bei der Vorbereitung für Videos fleißig, die Planungen im Hintergrund zu den WUCA Regeln laufen, heute wurden die Aufnahmen für den „Draußen“ Podcast gemacht, das Design für die Beklebung des Rekordfahrzeugs entsteht… Man sieht also, wir sind nicht untätig.

Nach dem langen Winter freue ich mich auf Sonne und höhere Temperaturen und damit auch auf höhere Geschwindigkeiten im Milan. Von den längeren Brevets und anderen Veranstaltungen werde ich berichten!  

 

 

Bloß nicht zu viel trinken

von Holger Seidel (Kommentare: 2)

Das Frühjahr bringt Wärme, intensive Einheiten und viele Langstrecken. Mein Training geht planmäßig voran und der Körper entwickelt sich gut. Unter der Woche stehen immer noch intensive Rolleinheiten an und an den Wochenenden Langstrecken von 200 bis 600 Km. Ach ja, glücklicherweise bin ich bisher auch gesund durch die Zeit gekommen! Bisher stehen 6.000 Km in diesem jahr auf dem Tacho. Es gab Jahre, da standen zu dieser Zeit schon wesentlich mehr Km zu Buche. Aber die intensiven Einheiten drücken sich nicht in der Länge aus.

 

unterm Mond

Von Beginn an war klar, dass die Ernährung für mich eine der Herausforderungen auf der Rekordfahrt wird. Irgendwann rebellierte bisher immer der Magen bei hohen Belastungen auf lange Zeit. Wer im alten Radsport sozialisiert wurde, kennt Sätze wie: „Bloß nicht trinken. Der Trockenste ist der Schnellste.“ Man schreibt diese Zeilen Jaques Anquetil zu, der u.a. fünfmal die Tour De France gewann. Heute weiß man, dass seine Theorie, auch wenn sie ihn zum Erfolg geführt hat, überholt und sogar gefährlich ist. Dauerhafte Leistung kann nur durch regelmäßige Zufuhr von Flüssigkeit und Energie gewährleistet werden.

Hier mal ein Beispiel einer Fahrt über 300 Km in die Rhön:

Das waren knapp über 300 Km und ca. 2.000 Hm. Gefahren bin ich mit 155 Watt im Schnitt und habe 5.729 Kcal verbrannt. Was ziemlich genau seien dürfte, da ich mit einem Leistungsmesser fahre. Bis auf Toilettenpausen habe ich nicht angehalten, trinken und Flüssignahrung nur während der Fahrt, sonst wurde nichts zugeführt. Am Morgen ein mittelgroßes Müsli, etwas Wasser und dann los.

Eine Trinkblase war mit Ensure Plus Flüssignahrung gefüllt. Darin hatte ich 4 x 200 ml und das dann mit Wasser auf ca. 1,5 Liter verdünnt. Das sind 1.200 Kcal

Die andere Trinkblase hatte ich mit Hi-End Endurance Getränkepulver in 3 Liter Wasser verdünnt. Îch habe ca. 125-150 g auf 3 Liter genommen, was ca. 360-400 Kcal entspricht. Zusammen also etwas 1.600 Kcal

Ich muss auf jeden Fall noch etwas drauflegen (mehr Flüssignahrung), um während der Fahrt etwa auf die Hälfte der verbrannten Kalorien zu kommen. Während der eingeplanten Pausen (davon gibt es nicht viele) bei der Rekordfahrt plane ich, leicht verdauliche Speisen einzuverleiben: Sandwiches, Trinkjoghurt, Smoothies, Reiskuchen. Den Rest an verbrannten Kalorien muss der Körper dann kompensieren.

Beim den 24 Stunden am Brelinger Berg werde ich das Konzept verfeinert ausprobieren. Im besten Fall schon in dem Rhythmus, welcher für August geplant ist.

Die Menge an Flüssigkeit hat nur bei diesen recht niedrigen Temperaturen hingehauen. Je wärmer, desto mehr Flüssigkeit muss rein, das ist klar.

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