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Phönix aus der Asche!

So, 22.01.2012 von Jörg Basler

Phönix aus der Asche?

Am 3.9.11 fuhr ich mit dem Milan in einen Graben. Dort war ein gemauerter Feldwegzugang, in den ich mit ca. 60km/h einschlug. Ich fuhr ohne Kabinenhaube aber mit Deckel. Im Velomobil riss das dünne Carbon vorne an mehreren Stellen ein. Mein Körper rutschte nach vorne und drückte mit den Knien ein Loch oben in die Karosse. Mit dem Oberkörper kam ich nach oben und blieb an der Einstiegskante rechts und links hängen. Der Tretlagermast riss ein, die Kurbel und das Kettenblatt stellte sich schräg. Das Kettenblatt wurde verbogen. Der Alurahmen bohrte sich tief in beide Knie. Die Kurbel oder das Kettenblatt scherte den Fuß ab. Tiefe, ca. 20 cm lange Schnitte in beiden Schultern. Schnitte von 30cm Länge unterhalb und in den Kniekehlen beiderseits. Dann noch eine längere Schnittverletzung an der linken Pobacke, 20cm lang aber nicht sehr tief.

Beim Aufprall muss es auch Druck auf den Brustkorb gegeben haben. Im Krankenhaus diagnostizierte man noch eine Thoraxprellung, die mir keinerlei Schmerzen machte. Die Auswirkungen in Form von Schwindelgefühl kam mir aber bekannt vor. 1976 hatte ich so etwas schon mal durchlebt.

Den Unfall erlebte ich in vollem Bewusstsein und konnte dem Rettungsdienst und den Ärzten im Klinikum Antworten geben. Zwischenzeitlich hatte ich um Sauerstoff gebeten. Aus der Narkose aufgewacht war ich schmerzfrei. Der rechte Fuß war gegipst, die Wunden an Schulter und Knien genäht. Mein Ruhepuls in der Intensivstation um die 100bpm, normal für mich 53bpm. Blutdruck gut, Sauerstoff gut. Um den Blutverlust auszugleichen bekam ich ein Eisenpräparat. Nach einem Tag Intensiv wurde ich auf die Normalstation verlegt. Die Wunden allesamt schmerzfrei. Danke an das Klinikum in Hildesheim mit Dr. Brüsch für allerbeste Versorgung.

Wenige Tage nach der OP lief ich mit Gehhilfen durch das Krankenhaus. Als der letzte Patient im alten Klinikum erlebte ich den Umzug zum neuen Klinikum. Im neuen Klinikum in der zweiten Woche gab es dann erstmalig für mich die Möglichkeit einbeinig auf einem Ergometer zu trainieren. Nach zwei Wochen kam ich nach Hause. Dort konnte ich einbeinig wieder Liegerad trainieren. Wenn ich linksbeinig zu lange und kräftig trat wurde jedoch der rechte Fuß dick. Zum Ausgleich machte ich Kniebeugen auf dem linken Bein neben Spaziergängen. Je länger die Krankheit dauerte, um so mehr baute mein Kreislauf und die Muskeln ab. Dann die zweite OP um Drähte zu entfernen. Ich bekam einen neuen Gips. Nach zwei Wochen kam der ab. Gelegenheit für mich zweibeinig auf dem Ergometer zu treten.

Erste Ausfahrten in der realen Welt folgten. Die beiden Gehhilfen über Lenker und Schulter. Mitte November ging es mir so gut, das ich einen Versuch unternahm wieder zu Arbeiten. Gleich am ersten Tag ein heftiger Rückschlag. Der Fuß war dick und schmerzte das erste mal überhaupt. Es folgte eine Woche gar kein Training. Am 3.12. dann der erste Arbeitstag. Verkürzt aus meinem Überstundenkonto dank Gleitzeit. Immer noch richtet sich Trainingslänge und Intensität danach, ob der Fuß wieder anschwillt.

Die anfängliche Beweglichkeit von 10 Grad ist inzwischen deutlich besser. Die Pulswerte sind heute mit 108bpm bei 160W so wie es sein soll. Beim Radeln bin ich generell schmerzfrei. Mein Trainingspensum aktuell knapp unter 3 Stunden im täglichen Durchschnitt. Es geht jeden Tag spürbar besser. Am besten geht es mir nach dem Radeln, am schlechtesten morgens nach dem Aufstehen.

Eggert Bülk hat meinen Weißen in Arbeit und ich gedenke diese Jahr mit dem Rad meine RAAM Qualifikation zu erneuern und meinen 24h Weltrekord von 2011 zu verbessern (WHPV und UMCA).

Kommentar von Jörg Basler |

Als ich von dem Unfall hörte, hat es mir die Sprache verschlagen. Als Christian mir dann davon erzählt hat, wurde mein Weltbild durcheinander geschmissen. Das ist nicht übertrieben, denn es war ja noch nicht absehbar wie schnell Christian genesen wird und wie weit er überhaupt gesund würde. Radfahren ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Christians Unfall hat mir die möglichen Konsequenzen meines Hobbys näher gebracht als mir lieb war.
Ich finde es unfassbar wie Christian mit diesem Dilema umgeht. Bei manchen Gesprächen hatte ich den Eindruck, er muss mir Mut zusprechen, eigentlich sollte es doch umgekehrt sein. Der Kerl hat unfassbare Nehmerqualitäten, eben ein echter Weltrekordler.

Kommentar von Chris |

Ich bekomme gerade den Mund nicht zu und die Bilder nicht aus dem Kopf.

@Christian: Alles Gute, gute Besserung und geh es nicht zu schnell an.

Ich hatte dir zugesagt, mich um was zu kümmern, das vergesse ich nicht, habe aber auch gerade eine, hmm, sagen wir mal suboptimale Zeit... Nicht vergleichbar mit deinem Horror aber ich weiß noch nicht wann ich dazu komme.

Kommentar von Detlef |

Hallo Christian,

erst einmal alles Gute von mir und ich hoffe das alles
für diech wieder gut wird.

Ich habe deinen Beitrag sicherlich 3 oder 4 mal gelesen um zu verstehen was dir das passiert ist und wie du damit umgehst dafür meinen größten Respekt!!

Magst du noch ewas dazu schreiben warum du in den Graben gefahren bist, ein Defekt oder jemandem
ausgewichen.

Gruß

Detlef

PBP 2011, langsam aber trotzdem schnell?

Fr, 26.08.2011 von Christian v. Ascheberg

PBP 2011, langsam aber trotzdem schnell?

Infolge des Abbruches bei Welrekordversuch bei Dekra könnte ich eine RAAM-Zulassung nur mit alten Fahrten beantragen. Diesen Weg wollte ich nicht beschreiten. Für die RAAM fehlt in meinem Erfahrungskatalog das Thema Schlafentzug auf dem Rad. Da bietet sich eine Kurzetappe von 1200km zum Üben an. Meine Aufgabe: PBP sauber finishen und dabei nur mit Powernapping zurechtzukommen. Ferner hat Essen und Trinken bei Fahren zu geschehen. 

Von daher mein Reisetempo, auch angesichts von Magenproblemen, Regen und starkem Nebel, nur magere 27.x km/h. Die Zeit in der mein Rad nicht in Bewegung war, was das Laufen zu den Kontrollstellen auf umständlichen Wegen, Essen, Getränke beschaffen, Schlafen und verkehrsbedingte Stopps betraf, betrug ca 4 Stunden. Davon ca 45 Minuten Schlaf.  

Wenn man dann noch betrachtet, das ich an Steigungen flott war, so ist das nur durch dezentes Fahren auf dem restlichen Terain zu erklären. Genaugenommen das eigentliche Milanproblem: der läuft so schnell, das man sich bei Fahren immer wieder erholt. Man rollt immer wieder durch die Lande ohne zu Treten. Welchen Sinn macht es auch ein Rad, das mit 50 rollt noch durch Treten zu beschleunigen? Keinen. Ich stieg in Paris frisch aus dem Rad aus. Ist PBP zu locker für einen SL?

Die Zeit über alles ungefähr 47 und eine 3/4 Stunde. PBP ist kein Rennen, sondern ein ganz spezieller Fahrradurlaub. Ein Kurzreise durch Frankreich. Wer in PBP heroisches sucht, der sollte 100 Jahre zurückblicken. 

Droplimits: Grenzen Wegschieben. Wir Velomobilisten nehmen Abschied von der Vorstellung, das Radsport unglaublich hart ist, meine Meinung.

Jetzt auch Rekorde nach UMCA

So, 17.07.2011 von Christian v. Ascheberg

WHPVA und UMCA, passt das?

Das bedeutet für die Offizielen erst einmal Arbeit. Immerhin muss man das Reglement kennen und eine Test dazu gibt es auch. Der ist zwar kein Muss, immerhin erwartet man das aber wohl.

 

Wie kam es dazu? Mit dem UMCA hatte ich in der Vergangenheit immer mal wieder Schriftverkehr. Das UMCA Reglement wurde letztendlich hinsichtlich der Fahrradtechnik so weit redziert, das man auch mit einem Milan nach UMCA fahren kann. (Radlänge, Reflektoren an Teilen, die es beim Milan nicht gibt). Das geplante Vorhaben Race-around-lreland zu fahren fällt aber flach, weil ich zu Arbeiten habe.

Mein Anfrage, ob ich 24h bei Dekra gemäß UMCA fahren könne mündete spontan in eine Anmeldung. Dazu bekamen wir die Erlaubnis mehr als einen Fahrer zeitgleich auf der Strecke haben zu dürfen. Der UMCA ist ein liegeradfreundlicher Verband mit recht ähnlichem Reglement, der gut zu uns passt, denke ich.